Samjatin, Jewgenij

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Leben

Jewgenij Iwanowitsch Samjatin wurde am 20. Januar 1884 in Lebedjan, Russland, geboren. Bereits während seines Studiums als Schiffsbauingenieur schloss er sich den Bolschewiki an und beteiligte sich an der Organisation des Aufstands auf dem Panzerkreuzer Potemkin (1905). Sein Studium beendete er 1908. 1916 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband. Nach kurzem Aufenthalt in England als Ingenieur von Eisbrechern kehrte er 1917 nach Russland zurück und wirkte aktiv an der Oktoberrevolution mit.

Allerdings wandte er sich schon bald desillusioniert von den Bolschewiki ab und schrieb 1920 die als sein Hauptwerk geltende Dystopie "Wir",welche als frühe Abrechnung mit dem kommunistischen Staatsterror gilt. Obwohl der Roman zunächst nur im Ausland veröffentlicht wurde, sank Samjatin bald in der Gunst der kommunistischen Herrscher, wurde öffentlich angefeindet und mit einem Schreibverbot belegt. 1929 verließ Samjatin den russischen Schriftstellerverband. In einem Brief an Stalin bat er um die Genehmigung, Russland verlassen zu dürfen, welche ihm -- wohl durch Vermittlung Maxim Gorkis -- kurz darauf erteilt wurde. Er ließ sich mit seiner Frau in Paris nieder, wo er 1937 verarmt einem Herzinfarkt erlag.

Werk

Samjatins literarisches Werk umfasst weniger bekannte Erzählungen, Märchen und Theaterstücke. Als Werk, welches ihm einen festen Platz in der Literaturgeschichte sichert, gilt zweifellos "Wir" von 1920. Dieser dystopische Roman ist nicht nur ein Vorläufer von Huxleys "Brave New World" und Orwells "1984", sondern ein frühes Meisterwerk sowohl der utopischen Science Fiction als auch der literarischen Totalitarismuskritik.

"Wir" beschreibt einen einen totalitären Einheitsstaat, in welchem die Menschen -- zu Nummern degradiert und in Glashäusern wohnend -- uneingeschränkter Kontrolle durch den Staatsapparat ausgesetzt sind. Doch ist auch dieser scheinbar harmonisch funktionierende Zwang zur Gleichheit und Einstimmigkeit keineswegs perfekt. Als sich der durch und durch staatstreue Erzähler D-503 illegal verliebt und -- von seinen Gefühlen überwältigt -- gegen seinen Willen zum Saboteur wird, offenbaren sich deutliche Risse im gesellschaftlichen Gefüge. Zwar wird durch die daraufhin verordnete Amputation der Fantasie sämtlicher Bewohner des Einzigen Staates der sofortige Zusammenbruch des Staates vorerst aufgeschoben, doch erscheinen die grundlegenden Spannungen zwischen Individualität und erzwungener Gemeinschaft fortan unüberbrückbar.

Erst 1988 erschien "Wir" in der Sowjetunion.

Veröffentlichungen

  • Wir, 1920

Bibliografische Einträge

Rezensionen